Und wo gehört TENCEL™ hin?

Und wo gehört TENCEL™ hin?

TENCEL™ ist keine Faserart. Was steckt wirklich dahinter?

 

 - TENCEL™ ist eine Marke und ist kein Zauberwort für Nachhaltigkeit. Entscheidend ist, welche Faser darunter steckt – und wie diese hergestellt wurde.“

 

Das Wichtigste: TENCEL™ ist keine eigene Faserart. TENCEL™ ist eine Marke des österreichischen Unternehmens Lenzing.

 

Unter der Marke werden vor allem zwei Fasern angeboten:

  • TENCEL™ Lyocell
  • TENCEL™ Modal

 

1. Das Grundmaterial

 

TENCEL™ Fasern bestehen aus Zellulose.

Lenzing verwendet dafür vor allem Holz aus bewirtschafteten Wäldern und Plantagen, beispielsweise:

  • Buche
  • Eukalyptus
  • Fichte
  • andere geeignete Holzarten

 

Das Holz wird zunächst zu Zellstoff verarbeitet.

Der entscheidende Punkt: Aus einem Baum wird nicht direkt ein Faden.

Der Weg ist: Holz → Zellstoff → Zelluloselösung → Faser → Garn → Stoff

 

2. TENCEL™ Lyocell

 

Herstellung:  Zunächst wird aus Holz hochreine Zellulose gewonnen.

Diese Zellulose wird anschließend in einem Lösungsmittel namens

N-Methylmorpholin-N-oxid (NMMO) gelöst.

Dadurch entsteht eine zähflüssige Zelluloselösung. Diese wird durch winzige Öffnungen einer Spinndüse gepresst:

 

Zelluloselösung → Spinndüse → lange Filamente → Waschen → Trocknen → Faser

 

Anders als bei klassischer Viskose wird die Zellulose dabei nicht chemisch zu einem Zwischenprodukt umgewandelt.

 

 

3 Das Besondere: der Lösungsmittelkreislauf

 

Hier liegt eine der großen Stärken des Lyocell-Verfahrens.

Das NMMO wird nach dem Spinnen nicht einfach als Abwasser entsorgt.

Es wird aus dem Prozesswasser zurückgewonnen und wieder eingesetzt.

Lenzing gibt für seinen Lyocell-Prozess eine Rückgewinnungsrate von bis zu 99,8 % des Lösungsmittels an.

 

Das bedeutet vereinfacht:

NMMO → Faserproduktion → Rückgewinnung → Reinigung → wieder in den Prozess

 

Dadurch unterscheidet sich Lyocell deutlich von der klassischen Viskoseherstellung.

 

4. Welche Chemikalien werden trotzdem verwendet?

 

„TENCEL™ wird ohne Chemie hergestellt“ wäre falsch. Auch bei Lyocell werden Chemikalien eingesetzt.

Das wichtigste Lösungsmittel ist: NMMO

 

Daneben werden beispielsweise Stoffe für:

  • Stabilisierung
  • Reinigung
  • Spinnprozess
  • Aufbereitung des Wassers

verwendet.

 

Der Unterschied ist also nicht: keine Chemikalien

sondern: Chemikalien werden in einem weitgehend geschlossenen Kreislauf geführt und zurückgewonnen.

Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.

 

5. Was passiert mit dem Wasser?

Das verwendete Wasser wird ebenfalls möglichst weit im Prozess wiederverwendet.

Das reduziert den Bedarf an Frischwasser.

Auch hier gilt aber: Lyocell ist nicht wasserfrei.

 

Der komplette Lebenszyklus beginnt bereits bei:

🌳 Anbau/Forstwirtschaft
→ Holzernte
→ Zellstoffherstellung
→ Faserproduktion
→ Färbung
→ Ausrüstung
→ Konfektion

Wenn wir die Umweltbilanz beurteilen, müssen wir also den gesamten Lebenszyklus betrachten.

 

6. 🍂 Ist TENCEL™ biologisch abbaubar?

 

TENCEL™ Lyocell besteht aus Zellulose und ist grundsätzlich biologisch abbaubar.

Für bestimmte TENCEL™ Fasern gibt es entsprechende Zertifizierungen unter definierten Bedingungen.

 

Aber:Das bedeutet nicht:

„Ein T-Shirt aus TENCEL™ verschwindet nach sechs Monaten im Wald.“

Das wäre zu vereinfacht.

 

Die Geschwindigkeit hängt unter anderem ab von:

  • Temperatur
  • Feuchtigkeit
  • Mikroorganismen
  • Sauerstoff
  • Boden
  • Färbung
  • Ausrüstung
  • Mischfasern

 

Ein reines Lyocell-Gewebe verhält sich deshalb anders als:

Lyocell + 5 % Polyester + Elasthan + Beschichtung + Farbstoffe.

 

7. TENCEL™ Modal

 

TENCEL™ Modal ist etwas anders.

Auch hier ist das Ausgangsmaterial: Holz → Zellstoff → Zellulosefaser

 

Aber Modal wird über ein modifiziertes Viskoseverfahren hergestellt.

Es gehört daher chemisch nicht zum Lyocell-Verfahren.

 

TENCEL™ Modal zeichnet sich besonders durch:

  • hohe Weichheit
  • gute Feuchtigkeitsaufnahme
  • gute Formbeständigkeit
  • angenehmes Hautgefühl

aus.

 

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