Die Viskose-Familie – vom Rohstoff bis zum Zerfall

Die Viskose-Familie – vom Rohstoff bis zum Zerfall

1. Klassische VISKOSE / RAYON

 

Grundmaterial

 

Meist Holz-Zellstoff, zum Beispiel aus Buche, Eukalyptus oder anderen Holzarten.

Auch Baumwoll-Linters können als Zellulosequelle dienen.

 

Herstellung: Holz → Zellstoff → Natronlauge → Alkalicellulose → Schwefelkohlenstoff → Viskoselösung → Spinnbad → Faser

 

Bei der klassischen Viskose wird die Zellulose zunächst mit Natronlauge (NaOH) behandelt. Anschließend wird sie mit Schwefelkohlenstoff (CS₂) umgesetzt – die sogenannte Xanthogenierung.

 

Danach wird die Masse wieder in Natronlauge gelöst. Die entstandene Viskoselösung wird durch Spinndüsen in ein saures Spinnbad gepresst. Dort entsteht wieder feste Zellulose.

 

⚠️ Chemikalien

Vor allem:

  • Natronlauge
  • Schwefelkohlenstoff
  • Schwefelsäure
  • weitere Hilfsstoffe

 

Problematisch ist besonders Schwefelkohlenstoff, wenn er nicht ausreichend aufgefangen und zurückgewonnen wird.

Moderne Anlagen können einen großen Teil der Prozesschemikalien zurückgewinnen. Das ist aber nicht bei jeder Viskoseproduktion automatisch der Fall.

 

♻️ Abfallstoffe & Aufbereitung Moderne Anlagen versuchen:

  • Chemikalien zurückzugewinnen
  • Prozesswasser wiederzuverwenden
  • Schwefelverbindungen aufzubereiten
  • Nebenprodukte weiterzuverwenden

 

Bei Lenzing werden beispielsweise zurückgewonnene Chemikalien wieder in den Prozess geführt oder teilweise in verwertbare Nebenprodukte umgewandelt.

 

Trageeigenschaften

 

Sehr angenehm zu tragen:

  • weich
  • glatt
  • kühlend
  • atmungsaktiv
  • nimmt Feuchtigkeit gut auf
  • schöner Fall

 

Nachteil: Nass verliert klassische Viskose relativ viel Festigkeit.

 

Pflege

  • eher schonend waschen
  • nicht heiß
  • wenig schleudern
  • kann einlaufen
  • nicht stark wringen
  • teilweise empfindlich gegenüber Reibung
  •  

Abbaubarkeit

Die Faser besteht aus Zellulose und ist deshalb grundsätzlich biologisch abbaubar.

Aber: Das bedeutet nicht, dass jedes Viskose-Kleidungsstück gleich schnell zerfällt.

 

Färbung, Beschichtungen, Ausrüstung und Mischfasern beeinflussen das Verhalten erheblich. Untersuchungen zeigen, dass Zellulosefasern unter geeigneten Bedingungen grundsätzlich innerhalb von Wochen bis Monaten biologisch abgebaut werden können; die tatsächliche Geschwindigkeit hängt stark von Temperatur, Feuchtigkeit und dem fertigen Produkt ab.

 

2. MODAL

 

Grundmaterial: Meist Holz-Zellstoff, häufig Buche.

 

Herstellung: Modal basiert grundsätzlich auf dem Viskoseverfahren, wird aber mit einem modifizierten Verfahren hergestellt.

Der Unterschied liegt vor allem in der Verarbeitung der Spinnlösung und den Spinnbedingungen.

Dadurch erhält Modal eine höhere Nassfestigkeit als klassische Viskose.

 

⚠️ Chemikalien

Ähnlich wie bei Viskose:

  • Natronlauge
  • Schwefelkohlenstoff
  • Schwefelsäure
  • weitere Hilfsstoffe

 

Auch hier macht es einen großen Unterschied, ob die Fabrik die Chemikalien auffängt und wiederverwendet.

 

♻️ Abfallstoffe

Bei modernen Anlagen werden Prozesschemikalien zurückgewonnen. Schwefelverbindungen können beispielsweise wieder in den Produktionskreislauf gelangen oder zu verwertbaren Nebenprodukten verarbeitet werden.

 

Trageeigenschaften

Modal ist:

  • extrem weich
  • glatt
  • atmungsaktiv
  • saugfähig
  • weniger empfindlich im nassen Zustand als normale Viskose
  • formstabiler

 

Deshalb findet man Modal häufig in:

Unterwäsche, T-Shirts, Schlafbekleidung und Sportbekleidung.

 

Pflege

Relativ unkompliziert:

  • 30–40 °C
  • Schonwaschgang
  • nicht zu heiß trocknen
  • kann bei Hitze einlaufen
  •  

Abbaubarkeit

Ja, grundsätzlich biologisch abbaubar.

Lenzing gibt für seine Standard-Modalfasern eine Zertifizierung für biologische Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit unter definierten Bedingungen an.

 

3. LYOCELL

 

Hier wird es besonders interessant.

Grundmaterial: Meist Holzzellstoff.

 

Es können aber auch andere Zellulosequellen verwendet werden, beispielsweise Baumwollreste.

 

Herstellung: Bei Lyocell wird die Zellulose direkt gelöst. Es findet keine Xanthogenierung wie bei klassischer Viskose statt.

 

Vereinfacht:

Zellstoff + NMMO → Zelluloselösung → Spinndüse → Waschen → Trocknen → Lyocell

 

Das Lösungsmittel heißt: N-Methylmorpholin-N-oxid (NMMO).

 

♻️ Und jetzt kommt der große Unterschied:

Das NMMO wird in einem geschlossenen Kreislauf wieder zurückgewonnen.

Bei der von Lenzing beschriebenen Technologie werden bis zu 99,8 % des NMMO zurückgewonnen und wiederverwendet.

 

Trageeigenschaften

Lyocell ist:

  • weich
  • glatt
  • atmungsaktiv
  • sehr saugfähig
  • angenehm kühl
  • sehr guter Feuchtigkeitstransport
  • relativ robust
  •  

Und deshalb auch sehr beliebt für:

T-Shirts, Hemden, Kleider, Bettwäsche und Unterwäsche.

 

Pflege

  • 30–40 °C
  • Schonwaschgang
  • wenig Schleudern
  • nicht zu heiß trocknen
  • kann je nach Stoffstruktur knittern

 

Abbaubarkeit: Grundsätzlich biologisch abbaubar.

Für bestimmte Lenzing-Lyocellfasern gibt es Zertifizierungen für biologische Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit unter definierten Bedingungen.

 

4. BAMBUS-VISKOSE 

 

Grundmaterial: Bambus

Aber: Das fertige Material ist keine natürliche Bambusfaser. Der Bambus wird zunächst zu Zellstoff verarbeitet.

 

Herstellung: Bambus → Zellstoff → Viskoseverfahren → Viskosefaser

 

⚠️ Chemie

Grundsätzlich dieselbe problematische Chemie wie bei klassischer Viskose:

  • Natronlauge
  • Schwefelkohlenstoff
  • Säuren
  • weitere Hilfsstoffe

 

Trageeigenschaften

Sehr ähnlich zu anderer Viskose:

  • weich
  • leicht
  • atmungsaktiv
  • saugfähig
  • angenehm kühl

 

Pflege

Ähnlich wie normale Viskose: schonend und nicht zu heiß.

 

Abbaubarkeit

Die regenerierte Zellulose ist grundsätzlich biologisch abbaubar.

Aber: Das sagt nichts darüber aus, wie umweltfreundlich die Herstellung war.

 

„Dass Bambus am Ende biologisch abbaubar ist, macht die chemische Herstellung von Bambusviskose nicht automatisch nachhaltig.“

 

6. CUPRO

 

Grundmaterial: Baumwoll-Linters: Das sind die sehr kurzen Baumwollfasern, die nach dem Entkörnen am Baumwollsamen zurückbleiben.

 

Baumwolle → Verarbeitung → Baumwoll-Linters → Cupro

 

Herstellung: Die Zellulose wird mit einer Kupfer-Ammoniak-Lösung gelöst.

Anschließend wird die Lösung durch Düsen gepresst und die Zellulose wieder als Faser regeneriert.

 

⚠️ Chemie

Hier kommen insbesondere:

  • Kupfer
  • Ammoniak
  • weitere Chemikalien

zum Einsatz. Die Chemie muss sehr kontrolliert zurückgewonnen und behandelt werden.

 

♻️ Abfallstoffe

Kupferhaltige Lösungen dürfen natürlich nicht einfach in die Umwelt gelangen.

Die Herstellung benötigt deshalb entsprechende Rückgewinnungs- und Abwasserbehandlung.

 

Trageeigenschaften

Cupro ist:

  • extrem weich
  • seidig
  • fließend
  • atmungsaktiv
  • leicht
  • angenehm auf der Haut

 

Es wird deshalb gerne für hochwertige Kleidung und Futterstoffe verwendet.

 

Pflege

  • schonend waschen
  • niedrige Temperaturen
  • wenig Schleudern
  • nicht heiß trocknen
  • teilweise besser chemisch reinigen

 

Abbaubarkeit

Die Grundlage ist Zellulose und damit grundsätzlich biologisch abbaubar.

Aber: Die konkrete Abbaubarkeit des fertigen Textils hängt auch hier von Färbung, Ausrüstung und Mischungen ab.

7. ACETAT

 

Grundmaterial: Zellulose, meistens aus Holz.

 

Herstellung: Die Zellulose wird chemisch verestert. Dabei entstehen Celluloseacetate.

 

Das ist ein wichtiger Unterschied:

Bei Viskose und Lyocell wird Zellulose wieder zu Zellulose regeneriert.
Bei Acetat wird die Zellulose chemisch verändert.

 

Trageeigenschaften

Acetat ist:

  • weich
  • leicht
  • glänzend
  • seidig
  • fließend
  • relativ formstabil

 

Häufig bei:

Futterstoffen, Kleidern und eleganter Kleidung.

 

Pflege

  • empfindlicher als viele Naturfasern
  • meist niedrige Temperaturen
  • Hitze vermeiden
  • Pflegeetikett beachten

 

Abbaubarkeit

Hier würde ich im Blog vorsichtiger formulieren als bei Lyocell, Modal und Viskose.

Celluloseacetat kann biologisch abgebaut werden, aber wie schnell das passiert, hängt stark vom Acetylierungsgrad und den Umgebungsbedingungen ab.

 

8. TRIACETAT

Triacetat ist noch stärker chemisch acetylierte Zellulose.

 

Grundmaterial Zellulose → meistens Holz

 

Herstellung

Chemische Acetylierung der Zellulose.

 

Eigenschaften

  • sehr formstabil
  • glänzend
  • fließend
  • knitterarm
  • thermoplastischer als Viskose

 

Deshalb wird Triacetat beispielsweise für Plissees und formstabile Modeartikel verwendet.

 

Pflege

Relativ pflegeleicht, aber: Hitze kann problematisch sein.

 

Abbaubarkeit

Grundsätzlich kann auch Triacetat biologisch abgebaut werden, aber langsamer bzw. anders als reine Zellulose, weil die Cellulose chemisch verändert wurde.

Hier würde ich im Blog keine pauschale „zerfällt nach X Jahren“-Zahl nennen.

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